11. August 2026
Die europäischen Quoten für synthetische Flugkraftstoffe (eSAF) schaffen Investitions‑ und Planungssicherheit, und erste Lieferketten sind aufgebaut worden. Dadurch konnte ein Pilotflug mit fünf Prozent eSAF‑Anteil von Amsterdam nach Hamburg durchgeführt werden, der die praktische Umsetzung der Beimischung demonstriert. In diesem Interview erläutert der ehemalige Airbus‑Manager Adrian Herberger, welche Bedeutung dieser Flug für die weitere Hochskalierung hat und warum Hamburg ein guter Ausgangspunkt ist.
Welche Bedeutung haben die Ziele für synthetisches Kerosin (eSAF) im Rahmen von ReFuelEU Aviation für Ihr Unternehmen, und vor welchen Herausforderungen stand die Produktion bislang? Wie kann ein Kraftstoffhändler wie MB‑Energy dazu beitragen, Fortschritte im Bereich eSAF zu erzielen?
Adrian Herberger: ReFuelEU Aviation ist ein zentraler Treiber für den Hochlauf von eSAF, da die Quoten Investitions‑ und Planungssicherheit gewährleisten. Die größten Herausforderungen liegen derzeit in der begrenzten Verfügbarkeit, hohen Produktionskosten sowie dem Aufbau skalierbarer Lieferketten. MB‑Energy kann den Markthochlauf aktiv unterstützen, indem es als Bindeglied zwischen Produktion, Logistik und Kunden fungiert.
Sie haben kürzlich eSAF beigemischt und es für einen KLM‑Flug von Amsterdam nach Hamburg zum Flughafen transportiert – können Sie erläutern, was „Beimischung“ bedeutet, und näher auf die Rolle von MB‑Energy innerhalb der Lieferkette eingehen? Welcher Anteil des gesamten Betankungsvolumens des Testfluges entfiel auf eSAF?
Adrian Herberger: Unter Beimischung versteht man das Vermischen herkömmlicher Kraftstoffe mit einem Anteil biogener oder erneuerbarer Herkunft gemäß den Spezifikationen innerhalb der genehmigten technischen Grenzen. MB‑Energy hat eine wichtige Funktion in der Lieferkette übernommen – von der Koordination und Beimischung bis hin zum Transport zum Flughafen. Der Flug von Amsterdam nach Hamburg wurde mit einer Kraftstoffmischung betrieben, die fünf Prozent synthetisches Kerosin enthielt. Die von der EU vorgeschriebene Quote liegt mit zwei Prozent deutlich darunter.
Bietet eSAF gegenüber fossilem Kerosin spezifische betriebliche und technische Vorteile?
Adrian Herberger: Der zentrale Vorteil des synthetischen Kerosins liegt in seinem Dekarbonisierungspotenzial, nicht primär in völlig neuen betrieblichen Eigenschaften. Entscheidend ist, dass eSAF im Rahmen der geltenden Spezifikationen in bestehende Infrastrukturen und Flugzeugflotten integriert werden kann. Dies muss durch Triebwerks‑OEMs, Flugzeug‑OEMs und Fluggesellschaften bestätigt werden.
Was ist das Besondere an Projekten mit einer Fluggesellschaft wie KLM?
Adrian Herberger: Der Passagierflug, der in Zusammenarbeit mit KLM sowie weiteren Partnern wie Ineratec und dem Hamburger Flughafen realisiert wurde, zeigt, dass die Dekarbonisierung der Luftfahrt nur durch gemeinsame Anstrengungen über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg gelingen kann. Langfristig kann synthetisches Kerosin dazu beitragen, regulatorische Risiken und steigende CO₂‑Kosten besser abzufedern. Solche Projekte sind besonders wertvoll, um den Einsatz von Kraftstoffmischungen im regulären Betrieb zu erproben.
Wie positioniert sich MB‑Energy insgesamt auf dem europäischen Markt für erneuerbare Kraftstoffe?
Adrian Herberger: Wir wollen den Übergang von Pilotprojekten zu stabilen Lieferketten aktiv begleiten. Das gilt nicht nur für die physische Versorgung, sondern auch für die kaufmännische Gestaltung und die betriebliche Machbarkeit. Unser Ziel ist es, gemeinsam die Voraussetzungen für eine skalierbare, zuverlässige und marktfähige Versorgung mit synthetischen Flugkraftstoffen in Europa zu schaffen. Dies gilt gleichermaßen für herkömmliche und nachhaltige Kraftstoffe.
MB‑Energy ist ein in Hamburg ansässiges Unternehmen. Welche Rolle spielt der Standort Hamburg für Sie im Hinblick auf die Entwicklungen im Luftfahrtsektor rund um eSAF?
Adrian Herberger: Hamburg ist für uns ein besonders relevanter Standort, da hier zentrale Kompetenzen aus Luftfahrt, Logistik, Industrie und Energiewirtschaft zusammenkommen. Forschung, Entwicklung, Produktion und Instandhaltung sind an einem Ort vereint. Hamburg ist der drittgrößte Luftfahrt‑Cluster weltweit. Diese räumliche Nähe zu wichtigen Akteuren macht Hamburg zu einem hervorragenden Umfeld, um neue Lösungen für die Dekarbonisierung des Luftverkehrs voranzutreiben. Für MB‑Energy ist Hamburg nicht nur Unternehmenssitz, sondern auch ein strategisches Umfeld für Kooperation, Innovation und praktische Umsetzung. Die Kombination aus Hafen‑ und Logistikkompetenz, industrieller Basis sowie dem Luftfahrt‑Ökosystem schafft günstige Rahmenbedingungen, um Bereiche wie erneuerbare Kraftstoffe, Infrastrukturen und Lieferketten gemeinsam weiterzuentwickeln.